CO2-Erzeugung per Hefegärung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Montag, 31. August 2009 um 08:14

CO2-Erzeugung per Hefegärung

In vielen Aquarien ist eine zusätzliche CO2-Düngung sinnvoll bis erforderlich. Bei Pflanzenaquarien mit einer guten Beleuchtung hat sich eine CO2-Konzentration von 20 mg/ltr als angemessen herausgestellt. Mehr sollte es nicht sein, da langfristig Gesundheitsschädigungen für die Fische nicht auszuschließen sind. Üblicherweise bedient man sich einer Druckflasche mit Druckminderer und Nadelventil. Über ein zusätzliches Magnetventil kann die CO2-Versorgung an die Zeitschaltuhr der Beleuchtung gekoppelt werden. Eine weitere Ausbaustufe ist die ph-abhängige Schaltung. Diese macht die Anschaffung eines elektronischen pH-Meßgerätes mit Schaltausgang erforderlich. Das ist kostspielig. Eine komplette CO2-Anlage kann leicht über 500,- DM kosten.

Deutlich preisgünstiger ist die alternative CO2-Erzeugung durch Hefegärung. Der technische und finanzielle Aufwand dafür ist unschlagbar gering. Nachteilig ist, daß diese Form der CO2-Zufuhr und bedingt regelbar ist und aufgrund der Behälter Platz benötigt.

Ablauf der Hefegärung / Effizienz:

In einen Behälter wird eine Mischung aus Wasser, Haushaltszucker und Hefe (Trockenhefe) angesetzt. Die Hefe vermehrt sich in der ersten Phase und vergärt dann den Zucker zu Alkohol (Ethanol) und CO2. Die theoretisch erreichbare CO2-Menge ergibt sich dabei zu etwa dem halben Zuckergewicht. Wenn man also 1 kg Zucker ansetzt, können theoretisch 500 gr CO2 durch Gärung erzeugt werden.
Die Gärung läuft aber nicht gleichmäßig ab und ist ohne weiteres nicht regelbar. Es kann also leicht zu einer Über- oder Unterversorgung des Aquariums mit CO2 kommen.
Ich habe durch Messungen des Volumenstromes Mengen von 0.4 ltr/(h*trl) ermitteln können. Dieser Wert kann aber je nach Lösungsalter und Mischung (Zelldichte) stark schwanken. Die Intensität der Gärung CO2-Menge pro Zeiteinheit hängt von der Hefemenge ab, viel Hefe erzeugt viel CO2. Auf der anderen Seite steigt der Alkoholgehalt dabei schneller an und die Produktion kommt entsprechend früher zum Erliegen. der zu erwartende Gärungszeitraum liegt zwischen 2 und 4 Wochen. Danach läßt die Gärung deutlich nach.

Hefegärung - Prinzip

Hier ein Bild meiner 5-ltr Gärung. Das Magnetventil dient der Regelung. Siehe dazu nähere Erläuterungen weiter unten

5-ltr-Gärung

Zusammensetzung der Gärlösung.

Die Bestandteile sind, wie schon genannt, lediglich Wasser, Zucker und Trockenhefe. Auf 1 ltr Wasser kommen etwa 250 gr Zucker. Dabei kann man davon ausgehen, daß selbst bei idealer Gärung der Zucker nicht vollständig vergoren wird, da dabei schon der für die Hefen quasitoxische Ethanolgehalt von 16% erreicht wird. Die erforderliche Zucker- und Wassermenge für ein vorgegebenes Gärlösungsvolumen kann hier berechnet werden.

Ich gebe auf einen 4 ltr-Ansatz eine Tüte Trockenhefe (7 g). Die Hefen vermehren sich (sprossen) im wesentlichen unter aeroben Bedingungen. Danach geht ihre Vermehrungsrate deutlich zurück. Durch die Atmung der Hefen verbraucht sich im frischen Gärungsansatz erstmal der Sauerstoff. Je nach Zelldichte und Temperatur kann das unterschiedlich lange dauern. Erst im anaeroben Zustand kommt es anschließend zur CO2-Produktion.
Wenn die Gärung dann nach ca. 6 - 24h angesprungen ist, kann sie in den ersten Stunden sehr heftig ablaufen. Dabei kann es aufschäumen und der Schaum in das Aquarium gelangen, wenn man nicht eine Waschflasche zwischengeschaltet hat. Siehe Skizze. Der Druck, welchen die Hefe aufbauen kann, ist auch sehr hoch. Wenn sich z.B. durch Schaum ein Schlauch oder Röhrchen verstopft, kann sich ein derartiger Druck aufbauen, der sich an anderer Stelle blitzartig abbaut. An Schlauch platzt ab und man hat eine klebrige Sauerei im Raum. Dieses Risiko läßt sich durch eine Waschflasche nahezu auf Null senken.

Anmerkung:

Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass es Überlegungen und Versuche gibt, denen zufolge sich die Hefen in dem Gärmedium nicht teilen. Das also die eingebrachte Hefemenge sich nicht bzw nur unwesentlich ändert. Nachzulesen bei Dr. Peter Gründler. Ich selbst möchte mich dieser Meinung aber zurzeit nicht anschließen und gehe von einer aktiven Sprossung aus.

Die Regelung der CO2-Produktion

Die CO2-Produktion ist abhängig von der Zelldichte der Hefemenge. Je mehr Zellen aktiv sind, desto mehr CO2 gibt es pro Zeiteinheit (Volumenstrom). Das heißt aber auch, daß der Zucker schneller verbraucht ist und der Ethanolgehalt schneller ansteigt.

Was hemmt die Gärung ?

Gemäß den stöchiometrischen Berechnungen sollte man aus 1 kg Zucker etwa 246 ltr CO2 erhalten. In der Praxis läßt die Gärung aber schon vorzeitig nach. Das hat i.d.R. mehrere Gründe.

a) der Alkoholgehalt ist soweit angestiegen, daß die Hefen nur noch bedingt den Zucker verstoffwechseln können. Man sagt, daß die Zellen ab 16% Ethanolgehalt tot sind, bzw. keine Aktivitäten mehr ausüben.

b) Es mangelt an Spurenelementen. Zum Leben benötigt ein Organismus Spurenelemente. In gewissen Grenzen sind sie in einer frischen Gärlösung vorhanden, aber mit der Zeit verbrauchen sie sich. Dieser Mangel läßt sich durch eine Spurenelementedüngung natürlich auf einfache Art beheben.

c) Abnahme der Zellzahlen durch Überalterung des Ansatzes. Da jede Zelle nur eine begrenzte Zahl von Knospungsvorgängen hat, dünnt der Zellbestand allmählich aus. Das erscheint erstmal unlogisch, da die jungen Zellen wiederum ja knospen können. Doch durch das anaerobe Milieu teilen sich die teilungsfähigen Zellen auch nur noch bedingt (ca. 1x alle 10 bis 30 Stunden). So kann der Zellbestand abnehmen und mit ihm die CO2-Produktion.

Diese Grafik zeigt den pH-Wertverlauf bei zwei aufeinanderfolgenden Gärungen. Es ist jeweils in der unteren Grafik die Vermehrungsphase vergrößert dargestellt. Man kann erkennen, wie die Gärung anfangs sehr sark ist und dann auch stark nachläßt. Weiterhin wird deutlich, wie heftig die CO2-Produktion ist. Dieses Aquarium beeinhaltet nur Pflanzen, denn bei einer Karbonathärte von 3-4 kann man aufgrund des hohen CO2-Gehaltes darin keine Fische mehr halten.


Gärungsverlauf
  Gasvolumenstrom

Der Gasvolumenstrom ist die Gasmenge (Volumen) pro Zeiteinheit. Damit die Angabe vergleichbar wird, wird sie bezogen auf einen Liter Gärflüssigkeit angegeben. Das ist wichtig, denn ein Gärbehälter mit 4 Liter Lösung erzeugt ja mehr CO2 pro Zeiteinheit, als eine 1,5 Liter-Colaflasche. Dennoch können die Hefen in der kleineren Flasche aktiver sein. Um nun eine echte Vergleichbarkeit der verschiedenen Lösungen zu erzielen, muß alles auf 1 ltr normiert werden.

Die Messung des Volumenstromes ist einfach.

Volumenstrommesung

Man benötigt eine Glasflasche mit einer 100 und 200 ml-Einteilung und einen größeres Gefäß, in welches sich die Flasche umgedreht einstellen läßt. Man füllt die Flasche bis oben voll mit Wasser und stellt sich ungedreht in das andere Gefäß ein. In dem befindet sich auch etwas Wasser. Das Wasser aus der Flasche darf nicht auslaufen, tut es eigentlich auch nicht. Dann leitet man das CO2 per Schlauch durch die Flaschenöffnung ein und nimmt die Zeit, die benötigt wird um die 100 oder 200er marke zu erreichen. Das rechnet man nun hoch auf eine Stunde. Wenn z.B. 15 Minuten erforderlich sind, um die 100 ml zu füllen, dann schafft es in der Stunde 100 * 4 = 400 ml. Diesen Wert teilt man nun durch das Volumen der Gärlösung. Bei 4 ltr landet man also bei 400/4 = 100 ml/(h*l), bei 1,5 ltr Gärlösung wären es 400 / 1.5 = 267 ml/(h*l).

Der Gasvolumenstrom interessiert mich, weil er unabhängig von Gärlösungsmenge eine Aussage über die Effektivität der Gärung gibt. So kann man verschiedene Gärungsansätze vergleichen.

Geregelte Hefe-CO2-Düngung

Grundsätzlich ist eine Hefegärung nicht regelbar. Man kann sie nicht abstellen, es würde sich auf Dauer ein beachtlicher Druck aufbauen. Nur mit Tricks ist die aktiv geregtelte CO2-Düngung möglich. Ich betreibe eine Hefegärung an einem Aquarium, welches gleichzeitig per Computer mit meinem Programm WAKO u.a. hinsichtlich pH überwacht wird. Das Programm kann in Abhängigkeit von Grenzwerten Relais schalten. Auf diese Weise kann ich ein Magnetventil betreiben.

Regelung der CO2-Zufuhr

Der Computer öffnet das Magnet, wenn der pH zu niedrig ist. Aufgrund des geringen Gegendruckes entweicht das CO2 in den Raum. So kann sich kein Druck aufbauen. Diese Schaltrichtung steht aber im Gegensatz zu der, der normalen pH-Steuergeräte. Die öffnen ja das Magnetventil, wenn der pH zu hoch ist, auf das es von der Druckflasche in das Aquarium ströme. Deswegen kann man nicht einfach ein normales pH-Steuergerät nehmen und das in skizzierter Weise an die Hefegärung basteln. Die Schaltrichtung muß umgedreht werden.

 
Messung einer gesteuerten Düngung
 

Die Grafik zeigt eine reale Messung und Steuerung. Die rote Linie stellt dabei die vorgegebene Untergrenze dar, welche nur um einen Hysterewert unterschritten werden darf. An den Tiefpunkten hat das Programm das Magnetventil durchgeschaltet und geöffnet. Das CO2 entwich in die Raumluft, der pH stieg an. Bei Erreichen der roten Linie war der pH wieder im erlaubten Bereich, das Magnetventil wurde geschlossen. Jetzt mußte das CO2 wieder in das Aquarium, der pH fiel.

 
 

URL: http://www.deters-ing.de/Wasser/hefe-co2.htm
Stand: 11 Nov 2003
Autor: Olaf_D.

 

Quelle: http://www.deters-ing.de/Wasser/hefe-co2.htm

 

 
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